BGG-Reform: Barrierefreiheit ist kein Extra – sie ist Voraussetzung für akademische Teilhabe
Datum 23.02.2026
Am Aschermittwoch ist alles vorbei? Für viele Menschen mit Behinderungen beginnt danach der Alltag mit denselben Hürden – im öffentlichen Raum, in digitalen Systemen, in Bewerbungsverfahren, in beruflichen Netzwerken. Die aktuelle Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG), die am 11. Februar 2026 vom Bundeskabinett verabschiedet wurde, stößt daher auf breite Kritik in der Behindertenbewegung und bei Verbänden.
Zu den kritischen Stimmen zählen unter anderem Ottmar Miles-Paul, Raul Krauthausen sowie Andreas Bethkevom Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband. Sie bemängeln insbesondere, dass Unternehmen im Gesetzentwurf weitreichend vor verpflichtenden Maßnahmen zur Barrierefreiheit geschützt werden. Die zentrale Frage lautet: Wird hier echte Teilhabe gestärkt – oder strukturell vertagt?
Akademische Qualifikation trifft auf strukturelle Barrieren
Für Akademiker*innen mit Behinderungen ist diese Debatte von existenzieller Bedeutung. Wer studiert, promoviert, forscht oder in hochqualifizierten Berufen Verantwortung übernehmen möchte, braucht mehr als wohlmeinende Worte. Es braucht barrierefreie Hochschulen, zugängliche digitale Bewerbungsverfahren, inklusive Personalprozesse und eine Wirtschaft, die Diversität nicht als Belastung, sondern als Potenzial versteht.
Barrierefreiheit ist kein Sonderwunsch. Sie ist die infrastrukturelle Voraussetzung dafür, dass Wissen, Kompetenz und Innovationskraft überhaupt wirksam werden können. Wenn bauliche oder digitale Anpassungen pauschal als „unverhältnismäßige Belastung“ definiert werden, entsteht ein Signal, das weit über einzelne Paragrafen hinausreicht: Qualifikation allein genügt nicht – wenn der Zugang fehlt.
iXNet: Brücken bauen zwischen Talent und Arbeitsmarkt
Genau hier setzt das Netzwerk iXNet der ZAV an. iXNet begleitet Akademikerinnen mit Behinderungen auf ihrem Weg in den ersten Arbeitsmarkt, vernetzt sie mit Arbeitgeberinnen, schafft Dialogräume und sensibilisiert für inklusive Personalstrategien.
Die tägliche Netzwerkarbeit zeigt:
- Hochqualifizierte Bewerber*innen scheitern häufig nicht an Leistung, sondern an Barrieren.
- Unternehmen profitieren nachweislich von inklusiven Teams – wenn strukturelle Voraussetzungen geschaffen werden.
- Individuelle Beratung, Peer-Austausch und gezielte Vermittlung stärken Selbstbewusstsein und Sichtbarkeit.
Barrierefreiheit ist damit kein isoliertes sozialpolitisches Thema. Sie ist arbeitsmarktpolitisch, wirtschaftspolitisch und demokratiepolitisch relevant. In Zeiten des Fachkräftemangels ist es widersprüchlich, Millionen Menschen mit Behinderungen faktisch vom vollen Zugang zu Gütern, Dienstleistungen und beruflichen Chancen auszuschließen.
Zwischen Gesetzestext und Lebensrealität
Die Reform des BGG wird nun im parlamentarischen Verfahren beraten. Entscheidend wird sein, ob aus dem Anspruch auf gleichberechtigte Teilhabe verbindliche und wirksame Regelungen entstehen – auch für den privaten Sektor. Denn echte Inklusion endet nicht an der Tür eines Unternehmens oder hinter einer digitalen Login-Maske.
iXNet steht für einen konstruktiven Dialog zwischen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Gleichzeitig machen die Rückmeldungen aus unserem Netzwerk deutlich: Ohne klare gesetzliche Rahmenbedingungen bleibt Barrierefreiheit oft vom guten Willen Einzelner abhängig.
Unser Appell
Barrierefreiheit darf nicht als Kostenfaktor betrachtet werden, sondern als Investition in Kompetenz, Innovation und gesellschaftliche Zukunftsfähigkeit. Akademikerinnen mit Behinderungen sind keine „Bürde“ – sie sind Fachkräfte, Führungspersönlichkeiten, Forschende, Kreative und Impulsgeberinnen.
Die Reform des BGG ist eine Wegmarke. Ob sie zu einem Fortschritt wird, entscheidet sich daran, ob sie die Lebensrealität von rund 13 Millionen Menschen in Deutschland tatsächlich verbessert.
iXNet wird diesen Prozess weiterhin aufmerksam begleiten – mit Expertise, Vernetzung und dem klaren Ziel:
Teilhabe am Arbeitsleben muss selbstverständlich sein. Nicht irgendwann. Sondern jetzt.