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iXNet-Podcast – Porträt Stefanie Platz, Senior Recruiterin bei SAP

Teaser

Stefanie Platz: Zugänglichkeit – das ist einfach die Möglichkeit, seine Stärken zu zeigen. Das mag für einen wirklich Barrierefreiheit im physischen Sinne sein, man kann hier dann mit dem Rollstuhl oder wie auch immer gut ins Büro kommen. Das kann ja total unterschiedlich sein. Für uns sind diese Bedarfe, wie immer sie auch aussehen mögen, keine Sonderwege, sondern Performance-Enabler. Das es darum geht, dass jemand seine persönlichen Stärken auch zur Geltung bringen kann.

Andreas Brüning: Das sagt Stefanie Platz zum Thema Barrierefreiheit am Arbeitsplatz in ihrem Unternehmen. Sie ist Senior Recruiterin bei SAP – Europas größtem Softwarekonzern. Gute Arbeitsbedingungen sind für sie kein Zugeständnis und kein Sonderwunsch, sondern die Bedingung dafür, dass Leistung überhaupt sichtbar wird. Und dafür braucht es Offenheit und gegenseitiges Vertrauen. Aber wie entsteht eine Atmosphäre, in der Menschen im Bewerbungsgespräch sagen, was sie brauchen – ohne bedürftig zu wirken? Darum geht es in dieser iXNet-Folge.

Herzlich willkommen. Ich bin Andreas Brüning vom iXNet-Team.

Inklusion im Recruiting – iXNet im Gespräch mit Stefanie Platz (Senior Recruiterin bei SAP)

Stefanie Platz sucht Personal für Europas größten Softwarekonzern. Sie tut das von der SAP-Zentrale in Walldorf aus – und mit einer Zusatzausbildung als systemischer Coach im Rücken. Im neuen iXNet-Podcast spricht sie darüber, warum sie nicht nach Lebensläufen sucht, die ins Raster passen, und wie im Bewerbungsgespräch eine Atmosphäre entsteht, in der Menschen sagen können, was sie brauchen – ohne bedürftig zu wirken.

„Zugänglichkeit – das ist einfach die Möglichkeit, seine Stärken zu zeigen“, sagt sie gleich zu Beginn. Was daraus folgt, ist konkret: Begleitung von Kolleginnen und Kollegen zu Gesprächen, Gebärdensprachdolmetschung, Remote-Termine, ein Hörkoffer. Und die Möglichkeit, Bedarfe schon vor dem ersten Termin per E-Mail anzumelden, damit im Gespräch selbst Raum für das Fachliche bleibt.

Im Gespräch mit Andreas Brüning erzählt Stefanie Platz von den drei akademischen Einstiegswegen bei SAP.

Zu Wort kommt außerdem Luisa, Wirtschaftsinformatikerin und blind. Vor ihrer Bewerbung bei SAP hatte sie eine Absage nach der anderen erhalten. Heute ist sie HR-Projektmanagerin im Unternehmen. Ihren Brief an Stefanie Platz hören Sie mit der Stimme von Dr. Tatjana Schweizer.

Ein iXNet-Podcast über die Frage, wie Vertrauen im Bewerbungsverfahren und Onboarding entsteht – und darüber, was es kostet, wenn es fehlt.

Andreas Brüning: Ich habe mich mit Stefanie Platz zum Videogespräch verabredet. Ihr Arbeitsplatz ist die SAP-Zentrale in Walldorf – zum Recruiting kam sie schon während des Studiums.

Stefanie Platz: Ich hatte das Glück, dass ich schon während meines Studiums mein Interesse am Recruiting entdeckt habe, während einem Praktikum. Nach dem Studium habe ich dann direkt bei SAP angefangen, im Recruiting – und mit dieser Entscheidung bin ich nach wie vor total glücklich.

Andreas Brüning: Das Recruiting – also die Auswahl von Personal für das Unternehmen – ist ihr in Fleisch und Blut übergegangen. Sie sucht nicht nach Lebensläufen, die ins Raster passen, sondern nach dem, was in Menschen steckt. Was reizt sie an der Personalauswahl?

Stefanie Platz: Mich faszinieren die Menschen, denen ich begegne, die Gespräche, die ich mit ihnen führe. Die Entwicklung, die sie nehmen, die Potenziale, die wir vielleicht auch gemeinsam in einem Gespräch freilegen. Der schönste Moment ist, wenn ich jemanden treffe, den ich eingestellt habe, und er sagt mir: Mensch, das ist richtig gut, ich habe jetzt eine Rolle, in der blühe ich total auf. Dann bin ich total glücklich. „You made my day“, sage ich dann.

Andreas Brüning: Kein Wunder – es ist auch eine Bestätigung für sie: Sie hat ein Potenzial im Bewerber, in der Bewerberin gesehen, das jetzt zum Tragen kommt. Recruiting also nicht nur als Auswahl von geeignetem Personal, sondern gleich auch als Coaching. Stefanie Platz hat das gelernt: Sie hat eine Zusatzausbildung zum systemischen Coach gemacht. Was bedeutet das, angewendet auf Menschen mit Behinderungen?

Stefanie Platz: Inklusion im Recruiting ist für mich ein Moment, ein Gefühl, in dem ich jemanden bestärken kann, den Weg zu SAP zu gehen – wenn aus einem zögerlichen, unsicheren „Kann ich das? Schaffe ich das?“ ein selbstbewusstes „So kann ich das am besten“ wird. Das brauche ich, und dann kann ich meine Stärken sichtbar machen.

Andreas Brüning: Luisa zum Beispiel. Sie ist Wirtschaftsinformatikerin. Sie ist blind – und ihr Berufsweg glich einem Hürdenlauf, bevor sie bei SAP ankam. Was sie dabei erlebt hat, hat sie Stefanie Platz aufgeschrieben. Wir geben den Brief hier mit einer anderen Stimme wieder.

Zitat Luisa (Sprecherin – Tatjana Schweizer): Bevor ich mich bei SAP beworben habe, erhielt ich viele Absagen anderer Unternehmen. Und so geht es leider vielen. Doch bei SAP bin ich auf Offenheit gestoßen: Bewirb dich, du hast gute Chancen. Komm doch mal zu einem Praktikum vorbei – so lauteten hier die Antworten. Es wurden Potenziale gesehen, nicht die Hürden. Die Ausbildungsabteilung, die Schwerbehindertenvertretung und der damalige Inklusionsbeauftragte waren eine entscheidende Hilfe.

 

Andreas Brüning: Luisa hat die Empfehlung befolgt – sie hat sich beworben, sie hat in einem Praktikum SAP-Luft geschnuppert, sie ist heute Teil des Unternehmens. Doch eine große Hürde lag noch vor ihr: das Studium.

Stefanie Platz: Tatsächlich lag die erste große Hürde bei der Prüfungszulassung. Hier hat dann die Ausbildungsabteilung sehr eng mit der Studiengangsleitung zusammengearbeitet und es ihr ermöglicht, die Prüfungen digital zu absolvieren. Und auch die Assistenzkraft, die Luisa in der Theorie- wie auch der Praxisphase begleitet hat, wurde da mit eingebunden. Es ist abgestimmt gewesen, dass sie mit dabei ist. Das war total wichtig für sie, weil sie dann gleichberechtigt teilnehmen konnte an allen Aktivitäten und dabei autonom und flexibel war.

Andreas Brüning:

Luisas Weg führte über ein Praktikum. Daneben hält SAP für Akademikerinnen und Akademiker das duale Studium mit Bachelorabschluss offen sowie den Direkteinstieg nach dem Studium, für den es eigene Academy-Programme gibt. Alle drei sind auf der Karriereseite des Unternehmens beschrieben.

Den Rahmen schuf das Unternehmen. Ein solches Klima der Offenheit ist nicht selbstverständlich. Wo Betriebe in einer Behinderung vor allem einen Mangel sehen, entstehen Absagen. Und die kosten beide Seiten etwas: die Unternehmen gut ausgebildete Fachkräfte – und die Bewerberinnen und Bewerber das Gefühl, nicht zu genügen.

Wie groß der Abstand ist, zeigt sich bei den größeren Betrieben. Ab sechzig Arbeitsplätzen lag die tatsächliche Beschäftigungsquote 2024im Schnitt bei 4,7 Prozent — privat bei 4,2, öffentlich bei 6,1. Rund ein Viertel der beschäftigungspflichtigen Betriebe beschäftigte keinen einzigen schwerbehinderten Menschen. (1)

Die Bundesagentur für Arbeit spricht von einem erheblichen, bislang nicht ausgeschöpften Fachkräftepotenzial. Und davon, dass schwerbehinderte Arbeitslose im Schnitt besser qualifiziert sind, aber geringere Chancen auf eine neue Beschäftigung haben. (2)

Viele Kandidatinnen und Kandidaten verschweigen ihre Behinderung deshalb, solange es geht. Bei SAP soll das anders laufen. Wie schafft Stefanie Platz eine Atmosphäre, in der künftige Kolleginnen und Kollegen von sich aus ansprechen, was sie brauchen?

Stefanie Platz: Was ich konkret mache: Ich frage nach Bedarfen. Zum Beispiel würde ich fragen: Mensch, welche Rahmenbedingungen helfen denn, Ihre Stärken zu zeigen? Und dann auch konkret aufzeigen: Okay, wie können wir den Arbeitsplatz an den Arbeitsalltag anpassen? Wie können wir das organisieren? Dieses Vertrauen muss allerdings auch wachsen. Ich freue mich, wenn wir die Chance bekommen, dieses Vertrauen zu gewinnen und auszubauen. Was mir wichtig ist, ist eine Haltung dahinter: Für uns sind diese Bedarfe, wie immer sie auch aussehen mögen, keine Sonderwege, sondern Performance-Enabler.

Andreas Brüning: Was jemand braucht, gehört also an den Anfang – nicht in die Ausnahme. Es geht darum, dass jemand seine persönlichen Stärken zur Geltung bringen kann. Bleibt die Frage, wie dieses Vertrauen wächst.

Stefanie Platz: Die Offenheit dafür entsteht nicht auf Kommando. Die entsteht, wenn jemand sich sicher fühlt und Vertrauen fassen kann. Und ich denke, dass wir uns im Recruiting als Partner auf Augenhöhe verstehen – und dass wir wollen, dass sich jemand im Gespräch mit uns sicher fühlt.

Andreas Brüning: Bemerkenswert ist, wie sie dabei die Rollen verteilt: Das Unternehmen ist hier nicht der Schiedsrichter mit der Macht über die Stellen – es muss sich das Vertrauen der Bewerberinnen und Bewerber erst verdienen.

Und das beginnt lange vor dem Termin. Wer sich bei SAP bewirbt, kann schon vorab per E-Mail sagen, was er oder sie braucht – unter careers@sap.com. Das nimmt dem Gespräch den Druck: Heikles muss nicht erst dort geklärt werden. Barrierefreiheit gilt hier also für jeden Schritt ins Unternehmen, nicht erst für den Arbeitsplatz.

Stefanie Platz: Das heißt: Begleitpersonen können wir zu Gesprächen einladen oder bei Bedarf auch stellen. Gebärdensprachdolmetscherinnen und -dolmetscher. Remote-Gespräche. Ein Hörkoffer, der bei uns zur Verfügung steht und den man mitnehmen kann.

Andreas Brüning: Zur Erklärung: Mit Begleitpersonen sind hier Kolleginnen und Kollegen gemeint, die punktuell zu einem Termin mitkommen – keine dauerhafte Assistenz. Und ein Hörkoffer ist ein sogenanntes Assistive Listening Device: ein Gerät, das mit bestimmten Hörgeräten zusammenarbeitet und das Verstehen im Gespräch verbessert.

Begleitung, Dolmetschen, Technik – das Angebot steht. Die Hemmschwelle liegt woanders.

Stefanie Platz: Ich erlebe, dass manche Kandidatinnen und Kandidaten sich schwertun, das zu benennen: Vielleicht komme ich da schlecht an, so viel Aufwand. Ich gebe mal eine andere Sichtweise mit: Wir senken nicht das Anforderungsniveau – aber was wir mit diesen Angeboten tun, ist, die Zugänglichkeit zu erhöhen. So verdient einfach jede Stärke die Chance, sichtbar zu werden. Und ich hoffe, mit diesem Blickwinkel kann ich der einen oder dem anderen ein bisschen die Angst nehmen – oder einfach ermutigen, hier wirklich zu sagen, was man braucht, um bei uns glänzen zu können.

Andreas Brüning: Angenommen, das Gespräch läuft gut, der Vertrag ist unterschrieben. Dann bekommt jede und jeder Neue erst einmal das Übliche: einen Rechner, Software, einen E-Mail-Account. Dazu kommt ein „Buddy“ – ein Pate oder eine Patin, der oder die die ersten Tage und Wochen begleitet. Doch das Onboarding, das An-Bord-Kommen bei SAP, sei noch etwas anderes, sagt die Recruiterin.

Stefanie Platz: Echtes Ankommen ist, dass so ein Gefühl entsteht: Hier bin ich richtig. Fachlich und menschlich. Und darauf zielt auch unser Onboarding.

Andreas Brüning: Zum Ankommen gehört eine Kennenlernwoche. Gemütlich soll sie nicht sein: Ziele werden gleich zu Beginn mit der Führungskraft festgelegt und schriftlich festgehalten. Dazu kommen interne Netzwerkgruppen. In einer arbeitet Stefanie Platz selbst mit – im Generationen-Netzwerk, in dem Ältere von Jüngeren lernen und umgekehrt. Ihr Rat an alle, die sich beim DAX-Konzern SAP bewerben wollen:

Stefanie Platz: Unterschätzt nicht, wie sehr eure Perspektive ein Team hier besser machen kann. Das ist ganz, ganz wichtig. Und schön ist es, wenn sich jemand mit dieser Haltung bewirbt: Ich bringe etwas mit, was hier gebraucht wird. Das ist tatsächlich sehr erfolgversprechend. Dann fällt es auch leichter zu sagen, was man braucht – welche Arbeitsumgebung, welche Tools, welche Rhythmen.

Andreas Brüning: Nicht fragen, was jemandem fehlt, sondern was jemand braucht: Auf diese Verschiebung läuft hinaus, was Stefanie Platz erzählt. Sie kostet wenig. Und sie entscheidet mit darüber, wer überhaupt die Chance bekommt, seine Stärken zu zeigen.

Luisa, die den Brief geschrieben hat, ist heute Projektmanagerin im Personalbereich von SAP. Vor ihrer Bewerbung dort hatte sie eine Absage nach der anderen bekommen.

Andreas Brüning: Das war Stefanie Platz, Senior Recruiterin bei SAP – über ihren Weg, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten. Sie freut sich über jede Kontaktaufnahme, sagt sie: stefanie.platz@sap.com. Wenn das keine Einladung ist …

Luisas Brief haben Sie mit der Stimme von Dr. Tatjana Schweizer gehört.

Ich bin Andreas Brüning vom iXNet-Team. iXNet ist ein Teil des Service für schwerbehinderte Akademiker der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit in Bonn.

Kontakte:

  • Praktika: jobs.sap.com/content/Praktika
  • Ausbildung und duales Studium: jobs.sap.com/content/Ausbildung-und-Studium
  • Absolvierende und Academy-Programme: jobs.sap.com/content/Absolvierende
  • Fragen vor der Bewerbung: careers@sap.com
  • Kontakt zu Stefanie Platz: E-Mail: stefanie.platz@sap.com

Quellen:

(1)   Datengrundlage: BA-Beschäftigungsstatistik schwerbehinderter Menschen, Anzeigejahr 2024, veröffentlicht 31.03.2026; BA-Bericht „Arbeitsmarktsituation schwerbehinderter Menschen 2025",

(2) Bundesagentur für Arbeit, Presseinfo Nr. 28 vom 22.07.2026)